
Es gibt nicht mehr Juden und Griechen,
nicht Sklaven und Freie,
nicht männlich und weiblich;
denn ihr alle seid einer in Christus Jesus.
Gal 3,28
Heute gibt’s ein „Behind the scenes“. Oder ein „Making of“. Einen kleinen Einblick in das Kreisen meiner Gedanken…
Erster Blick irgendwann im Laufe der Woche in den Schott – welche Texte sind eigentlich dran am Sonntag? Manchmal entwickelt sich dann schon ein Gedanke im Hinterkopf, passen plötzlich Erfahrungen der Woche zu dem, was da am Sonntag dran ist.
Aber schon bei der Auswahl des Textes (für meine protestantischen Leser*innen: wir haben ja immer drei, die sich übrigens bestenfalls aufeinander beziehen
) rutsche ich auf eine Metaebene.
Denn das, was ich ja eigentlich gern machen würde, wäre eine Predigt.
Für den Sonntagsgottesdienst.
Für und mit echten Menschen.
Die ich sehen kann, ansprechen kann.
Aber das kann ich ja nicht.
Weil ![]()
es ja so gleich doch nicht ist mit männlich und weiblich (für meine evangelischen Leser*innen: Ja, ich habe Fragen).
Also stolpere ich auf die Metaebene, der Gedanke „ich würde ja, aber ich darf ja nicht“ ist da und zack, hat die Kritikerin in mir wieder die lauteste Stimme, setzt die feministische Brille auf und zerreißt die Sätze in der Luft.
Nicht männlich und weiblich.
Aha.
Als ob.
Wenn es so wäre, dann könnte ich ja auch „wirklich“ predigen,
über Nachfolge,
über das tägliche Kreuz,
über das (mein?) Messiasbekenntnis,
ach so viele Möglichkeiten-
und btw hätte ich in einer echten Predigt keine Begrenzung auf 2200 Zeichen, da kämpf ich jede Woche mit.
Aber weil es nunmal doch männlich und weiblich gibt und das in meiner Kirche sogar fortlaufend zelebriert wird, kreisen meine Gedanken – und am Ende auch mein Impuls – um das, was mich als Frau in der Kirche umtreibt.
Dabei ist da noch so viel mehr.
Ich bin ja nicht nur Frau (oder kirchisch: Nicht-Mann = kein Weihematerial), sondern auch Theologin. Aber das ist inzwischen (fast wie „Frau“) ein Schimpfwort, könnte man meinen – denn immer wieder höre ich „wir gehen da viel zu theologisch ran“, „das muss man mit dem Herzen, nicht mit der Theologie sehen“ – wtf. Doch, muss ich. Dafür hab ich studiert, dafür werde ich bezahlt. Dachte ich jedenfalls. Aber was weiß ich schon ![]()
Und dann kommen die Worte,
fließend,
meistens früh morgens,
mit dem ersten Kaffee,
vom Hirn ins Handy,
meistens in einem Rutsch,
fast immer mit einem Bild im Kopf,
und wenn ich dann meine eigene Nachricht an mich selbst lese,
fühle ich mich erkannt,
bin mir selbst auf die Spur gekommen
und auch das
ist ein Geschenk.
—und zu dem Text heute, der diesen Rant provoziert hat, passt dann irgendwie doch auch das Evangelium:
Wenn einer hinter mir hergehen will, verleugne er sich selbst,
nehme täglich sein Kreuz auf sich
und folge mir nach. Lk 9,23
Manchmal ist das Kreuz,
weiblich zu sein in einer männlichen Kirche,
Theologin zu sein in einer plötzlich um Anbetung kreisenden Kirche,
Berufserfahrung zu haben in einer Kirche, in der Weihe mehr zählt als alles andere.
Und manchmal
ist
genau das
auch der Segen.