
Marta hat ein echtes Ehrenamt.
Für den Herrn sorgen.
Wer darf das schon?
Und Maria tut einfach nichts.
Was heute gesucht wird
mit vielerlei Methoden, Tools, Anreizen, Ausschreibungen und Unterstützungsangeboten
sind Martas.
Wer zu Dankefesten eingeladen wird,
in Gremien gewählt,
mit Entscheidungen betraut,
teilweise hofiert und teilwese ausgenutzt,
sind die Martas.
Am Rande der Aufmerksamkeit,
jenseits der Veranstaltungen,
Pfarrfeste,
Ortsausschüsse,
vielleicht ungegrüßt in einer Kirchenbank am Sonntag,
im Vorübergehen ein Licht an der Pieta entzündend auf dem Weg zur Arbeit,
zusammengesunken in Trauer um einen lieben Menschen und auf Zuspruch wartend,
ungezählt, aber interessiert und spirituell suchend aus der Ferne,
da sind die Marias
von heute.
Manchmal so versunken ins Tun
fehlt er uns nichtmal mehr,
der Herr,
der zu uns spricht.
Zu beschäftigt.
Mit Gottesdienstordnungen,
Sitzungen,
Vorbereitungen,
Konzepten.
Du machst dir viele Sorgen und Mühen.
Aber nur eines ist notwendig.
Lk 10,41-42
PS:
Ja, das ist ein einseitiger Text.
Ja, das ist sehr wertend.
Ja, ich bin gerade gereizt.
Aber nein, ich meine damit nicht „alle Ehrenamtlichen“.
Ich meine die Perspektive von Pastoralentwicklung, die ich derzeit erlebe.
Und nein, auf keinen Fall meine ich Reevangelisierung oder Anbetung statt anderer Gemeindeaktivitäten.
Nein, ich meine auch nicht, dass beten besser als arbeiten ist, oder zuhören besser als zupacken.
Ich meine, dass viele Marias durch das Raster der pastoralen Aufmerksamkeit fallen. Das bereitet mir jedesmal Bauchschmerzen, wenn es um Dankefeste, Weihnachtskarten, oder Datenbanken zur Erfassung von Ehrenamt geht – denn zu unserer Kirche gehören immer viel viel mehr Menschen als die, die wir kennen.
Ich meine, dass Entscheidungen über die Zukunft von Kirche getroffen werden von Menschen, die ihre Geschichte mit Kirche haben, die geprägt sind von ihren guten Erfahrungen, die von ihren schönen Erinnerungen zehren und die in weiten Teilen davon getragen sind, etwas zu erhalten, was ihnen selbst gut getan hat. Diese Entscheidungen prägen die Zukunft einer Kirche, die dabei aus dem Blick verliert, dass noch so viele andere „dazugehören“. Die aber nicht „mitmachen“ (wie Marta…). Die aber vielleicht zuhören (wie Maria) – nur, weil wir sie dabei nicht sehen, heißt das nicht, dass sie nicht da sind, nicht spirituell sind, nicht glaubend unterwegs – vielleicht einfach nicht in der Form von Kirche, die wir gerade mit allen Kräften (und mit dem kompletten Personal!!) zu retten versuchen.
Alle sind beschäftigt- wie Marta.
Und das find ich gerade bedenklich.
Denn es kann auch anders gehen.
Mehr vom selben muss nicht der einzige richtige Weg sein.
Aber vor lauter Marta sein kommen wir nicht dazu, andere Wege zu bedenken. Und anderen Menschen zuzuhören. Vielleicht wissen sie gar nicht, dass sie eine Idee von Kirche für morgen in sich tragen, weil sie sich der Kirche von heute (aus guten Gründen) so fern fühlen. Aber solange niemand Zeit hat, außerhalb der Gemeindehausküchen und Sitzungssälen einfach nur da zu sein, den Himmel offen zu halten, ohne den Weg schon genau zu kennen – so lange wird es einsam.
Für Marta UND für Maria.